Scratches – Chillen im Spukhaus

Handlung

Über die Handlung des Spiels geben weder das Intro noch die ersten Spielminuten Auskunft. Während dies für das Gameplay durchaus einen Makel darstellt, ist es narrativ ein großer Gewinn. Unvoreingenommen kann der Spieler die Villa erforschen um irgendwann auf die ersten Hinweise zu stoßen. Jeder dieser wagen Hinweise verdichtet sich zu einer umfassenden Geschichte. Diese Herangehensweise bewirkt, dass die Leerräume zwischen den angedeuteten Hinweisen die Phantasie des Spielers anregen.

Somit entsteht die Spannung im Spiel nicht durch explizite Schockeffekte, sondern durch die freie Immagination des Spielers. Hierbei ähnelt die Herangehensweise eindeutig der des Horrorschriftstellers H.P. Lovecraft, dessen „The Rats in the Walls“ Scratches unzweifelhaft beeinflusst hat. Wie in den überall im Spiel anzutreffenden Tagebucheinträgen folgt die Narration seinem Erzählschema. Es wird eine Normalität etabliert in die nach und nach eine fremde, bedrohliche Macht eindringt. Dabei ist das Grauen von Anfang an präsent und wird schubweise präsentiert, verbleibt jedoch immer in Andeutungen, Vermutungen und wissenschaftlichen Erklärungsversuchen. Durch die fortlaufende Ankündigung des Grauens sowie das Zweifeln des Protagonisten an seinem Verstand erzeugt die Erzählung Spannung. Obwohl dieses Erzählprinzip unzählige Male verwendet wurde und die Handlung von Scratches, um einen mysteriösen afrikanischen Kult und einen familiären Mord sehr klischeebeladen ist, erzeugt sie dennoch eine intensive und gruselige Stimmung.

Hier greifen insbesondere die Leerräume, die Scratches der Imagination des Spielers eröffnet: Was hat es mit der Fleischerrechnung auf sich? Wozu dienten die plötzlichen Bauarbeiten, die durch eine Materialrechnung belegt sind? Gerade zum Schluss des Spiels zerfällt die Spannung zusehends, da die nun enthüllten Fakten zum Ende der Imagination führen. Das Finale kommt unverhofft und ist leider auch unfreiwillig komisch. Es hätten sich jedoch noch einige interessante Spielräume eröffnet um die Handlung weiter zu führen. Spannungshöhepunkte während des Spiels bilden die nächtlichen Traumsequenzen, in denen Michael im Haus surreale Szenen erlebt. Ansonsten verzichtet das Spiel glücklicherweise darauf, eine platte Geistergeschichte zu erzählen und die Frage ob das Grauen natürlicher oder übernatürlicher Natur ist bleibt bis zum Schluss angenehm offen.

Dieser Beitrag wurde unter Games veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen