Scratches – Chillen im Spukhaus

Gelungene Architektur

Nach einigen Klicks befindet sich der Spieler im Anwesen und es bestätigt sich der Eindruck, den das Äußere des Hauses hinterlassen hat. Der Innenausstatter hat das Haus geschmackvoll morbide eingerichtet mit Salons, Arbeitszimmern, Bibliotheken, Schlafzimmern und Bädern die einen unheimlichen viktorianischen Charme versprühen. Das Haus, in dem der Spieler die meiste Spielzeit verbringen wird, wird dabei zum heimlichen Hauptdarsteller des Spiels.

Über vier Etagen (Keller, Erd- und Obergeschoss, Dachboden) versprüht das Haus eine morbide Atmosphäre, die die ausgelutschten Haunted House Stereotypen in wohligen Grusel umschlagen lässt. Neben der gelungenen Ausstattung der einzelnen Räume trägt dazu auch die glaubwürdige Gesamtkonzeption des Hauses bei. Den Eingangsbereich markiert ein effekthascherisch angelegtes Foyer mit Wendeltreppe, die anschließenden Räume des Untergeschosses prahlen mit ihrer reichen und repräsentativen Ausstattung.

Dann folgt ein schlichter Querflur, über den die Küche, das Zimmer der Magd und der Keller erreicht werden können. Diese Räume zeigen sich, bescheiden und mit einfacher Ausstattung, als ein Abbild der Standesverhältnisse zwischen Hausherren und Bediensteten. Der Repräsentationswillen der Hausherren zeigt sich dagegen an den Räumen um den Eingangsbereich.

Im Obergeschoss finden sich Schlafzimmer, Bäder sowie eine Sammlung afrikanischer Kunst. Anders als im Erdgeschoss befindet sich hier ein durchgehender Flur, der die Orientierung erleichtert, so das man als Spieler teils den Weg durch das Obergeschoss vorzieht, um den entgegengesetzten Teil des Hauses zu erreichen. Die Ausstattung der Räume ist immer noch reichlich sowie räumlich differenziert.

Im Dachgeschoss ist dagegen kein herrschaftlicher Anspruch mehr zu erkennen. Archaisch präsentieren sich die Räume, unausgestattet und verrümpelt. Dasselbe gilt für den Keller. Diese beiden Orte stellen den Grenzbereich der häuslichen Einheit dar, die Bereiche des Hauses, die nicht im Zentrum des täglichen Lebens stehen und somit Orte des Übergangs, des Außens, sind. Nicht von Ungefähr bilden Keller und Dachboden meist den Ort der Begegnung mit dem Grauen im Haunted House Genre. Ebenso in Scratches.

Dennoch weist das Design auch ein paar Schnitzer auf. Das Haus, das im Spiel bis 1963 bewohnt wurde, besitzt, um der Atmosphäre Rechnung zu tragen, nur Ausstattungselemente des Jahres 1900. Zudem finden sämtliche visuelle Stereotypen einer viktorianischen Villa Verwendung. Dies gilt insbesondere für die reichliche Ausstattung mit Kunstwerken.

Kunst im Spiel

Der Name des Protagonisten Arthate ist Programm, wenn er ahnungslos durch eine Villa spaziert, die Kunstwerke im Gesamtwert von einer halben Milliarde Dollar beherbergen dürfte. Kunstschätze der frühen Neuzeit, aus den Niederlanden und Italien finden sich hier in Masse. Man bekommt den Eindruck, der Vorbesitzer des Hauses wäre kein Arzt gewesen, sondern ein megalomanischer Kunstdieb. Es finden sich Gemälde von Caravaggio, Pieter Bruegel d. Ä., Jan van Eyck, Füssli und Weiteren, neben geschmackvollen Blumentellern und Cthulhu Darstellungen. Weder auf Epochen noch Stilbezüge wird in der Kombination der Werke Rücksicht genommen. Der Einsatz der Kunstwerke fügt sich dabei nicht schlüssig in das Raumkonzept sondern erfüllt einzig unsere Erwartungshaltung an das Setting, das Herausstellen der Eloquenz und Schöngeistigkeit der Vorbesitzer.

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