Gone Home – Eine Nacht im Walking Simulator

Licht und Schatten

Gone Home  ist auch ein Lichtschaltersimulator: Die Dunkelheit im Haus ist allgegenwärtig und die Suche nach Lichtquellen wird zu einem wichtigen Spielbestandteil. Um die atmosphärische Dunkelheit zu durchbrechen werden Stehlampen, Tischlampen und Lichtschalter vom Spieler im Dunklen „ertastet“ und angeknipst. Aufgenommene Gegenstände werden nur von der lokalen Lichtquelle beschienen, so dass oft nur der Weg zur nächsten Lampe es ermöglicht, den Text auf der Soda Dose zu lesen. Die Grafik ist generell nett anzuschauen und die Räume sind gut designed. Durch den Einsatz der Unity Engine hat Gone Home aber keine State of the Art Grafik, dies merkt man unter anderem an den schwachen Beleuchtungseffekten.

Interface – Inventory

Das Spiel besitzt zwar ein Inventory, jedoch ist dieses nahezu überflüssig. Am Spielende haben wir maximal neun Gegenstände gesammelt, von denen drei für das Fortschreiten im Spiel relevant sind. Gegenstände können vom Spieler nicht angewendet oder kombiniert werden. Wichtiger ist da schon die Automap, die die Orientierung im Haus, auch aufgrund einer ungewöhnlichen Raumaufteilung und zusätzlichen Gängen, erleichtert.

I’ll be back: Die 90er

Gone Home scheut keine Kosten und Mühen und belebt das Jahrzehnt der Bauarbeiterwesten, CGI Dinos und des Techno wieder: die 90‘er.
Im Jahr 1995 befinden uns in einer Zeit der Kettenbriefe, Mixtapes, SNES Spiele, Grunge- und Garage Punk Bands, selbstgemachter Magazin-Collagen und VHS Kassetten. Der Zeitgeist wird vom Spiel gut eingefangen und das Haus atmet den Geist der 90er. Besonders beim durchwühlen des Zimmers der Schwester der Protagonistin werden wir von einer kuriosen Erinnerungswelle vergessener Sonderheiten überrollt. Später werfen wir einen Blick auf die VHS Sammlung der Eltern und entdecken Filme wie Aliens oder Tron, eingebettet in Stapel von Akte X Folgen. Immer wieder gibt uns das Spiel die Möglichkeit, Tapes mit der Musik der Garage Punk Band einer Freundin der Schwester zu hören, natürlich stilecht im Kasetterekorder.

Internetfähige Computer und Mobiltelefone sind noch ein seltenes Kuriosum, und so wühlen wir uns auf der Suche nach dem Verbleib der Famile durch eine Menge handschriftlicher Notizen und mit Schreibmaschinen erstellten Briefen, anstatt zur Lösung unseres Problems kurz die Familienmitglieder auf ihrem Mobiltelefon anzurufen.

Die Fülle an 90’s Memorabilia beeindruckt. Jedes der unzähligen Produkte wurde aus Lizenzgründen neu designed. Es findet sich also nicht eine einzige reale Marke im Spiel, selbst die im Spiel enthaltenen SNES Spiele sind Neukreationen. Jede Soda Dose, jede Müsli Packung, jedes Buch wurde für das Spiel als rotierbares 3D Objekt entworfen. Vermutlich musste ein Game Designer ein Jahr lang nur Haushaltsgegenstände entwickeln und texturieren. Doch der Aufwand hat sich gelohnt und wir fühlen uns stilecht in ein anderes Jahrzehnt gebeamt, wobei reale Produkte die Immersion noch weiter erhöht hätten.

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