Redshirt – Adde mich auf Spacebook!

Redshirt

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Der Weltraum: unendliche Weiten. Warum nicht den Traum wahr werden lassen? Genieße das Leben auf der Raumstation Megalodon 9! Triff und date interessante Leute aus den äußeren Grenzen des Universums. Genieße eine Vielzahl einzigartiger Freizeitaktivitäten! Verbringe die aufregendste Zeit deines Lebens bei Außeneinsätzen im Away Team! Mit etwas Ehrgeiz schaffst du es hier bis zum Commander’s Assistent! Deine Zukunft ist hier. Deine Zukunft ist Megalodon 9!

Wer denkt bei dieser Beschreibung nicht sofort an das Star Trek Universum mit Serien wie Deep Space Nine? Die rote Uniform, das Redshirt, kennzeichnet in diesem Universum meist Mitglieder der Techniker- und Sicherheitsmannschaft, die bei Außeneinsätzen aus dramaturgischen Gründen besonders häufig ihr Leben lassen müssen. In die Rolle eines dieser ambitionierten, aber austauschbaren Redshirts tritt nun der Spieler. Redshirt spielt nicht nur humorvoll mit Star Trek Tropes, sondern zieht auch einige andere Themen durch den Kakao.
Ähnlich wie im Sierra Klassiker Roger Wilco beginnt deine Karriere auf der Raumstation mit dem Wischmop in der Hand: Als Transport Accident Cleanup Technician. Später kannst dich unter anderem durch absurde Jobs wie dem Hazardous Alien Waste Management Supervisor, über den Zero G- Sports Coordinator bis zum Commander’s Assistent hocharbeiten. Wobei neben den Fertigkeiten auch persönliche Kontakte über den Sprung auf der Karriereleiter entscheiden.

Redshirt könnte zunächst mit Raumbasissimulationen im Stil von Startopia oder Space Colony verwechselt werden. Jedoch unterscheidet sich das Spielkonzept immens. Denn Redshirt bietet weder Basisbau noch strategische Elemente, es ist eine rundenbasierende Lebenssimulation mit Rollenspielanteilen. Rundenbasiert? Ja, denn jede Interaktion benötigt eine gewisse Anzahl an Punkten. Ist sie aufgebraucht, muss geschlafen oder gearbeitet werden. Außerdem können weitere Aktionspunkte zu horrenden Preisen hinzu gekauft werden.

Alle NPCs besitzen eigene Spacebook ProfileUnterwegs im Away TeamAuf ArbeitAus mehreren Rassen kann man seinen Charakter wählen

Spacebook – Auch ein Redshirt braucht Freunde

Natürlich geht auch im Weltall nichts ohne Social Networks. Spacebook ist ein parodistisches Facebook Mock Up, das über das gesamte Sozialleben des Spielers bestimmt. Hierbei werden sämtliche Facebook Klischees gekonnt aufs Korn genommen: Von oberflächlichen Statusmittelungen, über Likes bis hin zum Beziehungsstatus. Die soziale Komponente hat im Spiel eine enorme Bedeutung. Viele Spacebook Freunde zu haben pusht dein Charisma, soziale Events erhöhen den Happiness Faktor oder die Berufskompetenz. Um im Spiel voran zu kommen, müssen deine Spacebook Freunde dich mögen. Das erreichtst du über Likes von Kommentaren, persönliche Nachrichten und gemeinsame Events: Die Vorhölle des sozialen Mikromanagements eröffnet sich vor deinen Augen, denn es wird kompliziert. Lädt der Spieler Freunde zu den falschen Events ein (für die kein Interesse besteht, zu denen sie keine Zeit haben oder an denen unbeliebte Freunde teilnehmen), kann dein Happiness Faktor sehr schnell ins Bodenlose sinken. Ist dein Happiness Faktor ruiniert, schadet das der Karriere, deine Einnahmen sinken und die Arbeitskollegen beginnen dich zu hassen. Auch eine Nachricht an eine Person die dich mag, kann bereits die Beziehung zu deinem/ -er virtuellen und eifersüchtigen Freund/ -in verschlechtern.

Wie in Facebook können Beziehungsanfragen versandt werden, die entweder erfolgreich enden oder bei Ablehnung an deinem Happiness Faktor zehren. Doch die virtuelle Beziehung ist kompliziert: Bist du nicht ständig am Planen gemeinsamer Events, vergibst Likes oder sendest Nachrichten, ist die Beziehung schnell beendet und resultiert in einer/ -em schlecht gelaunten Ex. Zum Glück hat auch Spacebook eine De- Friend Option.

Das soziale Hamsterrad

Um auf der Karriereleiter aufzusteigen muss man gewisse Kompetenzen erlangen, die in einer langen Qualifikationenliste erfasst sind. Diese Qualifikationen kann man in mehreren Leveln, mit durch Berufserfahrung und soziale Events erhältliche Erfahrungspunkte, upgraden. Im Karrieremenü kann man den benötigten Level für die Jobqualifikation ablesen. Nun gilt es, sich auf die benötigte Stufe für den besseren Job zu leveln. Dadurch leiden oft die sozialen Kontakte, oder Freunde bleiben den notwendigen Lern- Events fern. So kann der Happiness Faktor schonmal rapide sinken, der Sprung in einen anderen Job wird nahezu unmöglich. Hinzu kommt, dass einige Jobs täglich den Happiness Faktor stärker reduzieren als er sich regenerieren kann. Eine Folge fehlgeschlagener sozialer Events kann dann schonmal den Spielfluss völlig aus der Bahn werfen. Hilfe verschafft der S.H.O.P., in dem man neben Nahrung auch Perk- artige Gegenstände kaufen kann, die kurzzeitig gewisse Werte wie Charisma, Health oder Happiness verbessern.

Deine Spacebook FreundeslisteAuch Gemeinsamkeiten lassen sich gleich im Profil ablesenDie Jobaussichten im fortgeschrittenen Spiel sind beeindruckendSchon mal mit einer amorphen Masse geflirtet? Das ist deine Chance!

Das Gameplay

Während das Spiel auf dem Papier einen inovativen Eindruck hinterlässt, hakt es jedoch beim Gameflow. Das rundenbasierende Element des Spiels vergibt Punkte für soziale Interaktionen. Jeder Like, jede Nachricht benötigt einen Punkt, soziale Events auch schon mal 4 Punkte und mehr. Der simulierte Alltag im All sieht so aus: Morgens aufstehen und einen Punkt vergeben, mit dem man essen kaufen, etwas liken oder vielleicht doch besser dem/-r Freund/ -in schreiben kann. Alle punktintensiven Optionen sind morgens noch nicht möglich. Dann geht es zur Arbeit. Sie ist selbstablaufend, ein Fenster informiert über die Statusveränderungen bei Freunden und Kollegen sowie über gewonnenes Geld und Erfahrung. Abends ist die Zeit für wichtige Interaktionen, für die man 3 bis 6 Punkte vergeben kann. Diese investiert man in Likes, Schulungen oder Events. Dann gehts zum schlafen. Das OS der Station informiert zudem mit leichtem Sarkasmus über Neues in deinem Spacebook. Etwas Abwechslung bringen ebenfalls selbstablaufende Away Team Einsätze, bei denen, ganz im Sinne von Star Trek, einige Redshirts vaporisiert werden. So kommt es regelmäßig vor, das Spacebook- Freunde, dein Partner oder auch dein Boss (was deinen Jobaufstieg ermöglicht) vaporisiert werden. Insgesamt leidet das Spiel an der endlosen Repetition einfacher Prozesse und der Konzentration auf Spacebook, das ca. ¾ des Gameplays einnimmt. Begrenzt wird die Spieldauer im Story Modus durch ein Tageslimit, bis zu dessen Ablauf der Spieler möglichst genug Geld gescheffelt haben sollte um die Station zu verlassen. Denn diese ist möglicherweise ruinös und entspricht nicht ganz den großartigen Bildern aus den Hochglanzprospekten.

Das Interface wirkt etwas undurchdacht, Handlungsoptionen sind teils unnötig verkompliziert und oft fehlt ein haptisches Feedback, über das, was die eigene Aktion auslösen wird. Einige Informationen sind schwer auffindbar, zum Beispiel der Spacebook Account deines Chefs, der nicht dein Spacebook Freund ist, den du aber, des besseren Jobs wegen, beschwatzen musst. Das soziale Netzwerk ist in der Tat komplex, verlangt aber nach einiger Einarbeitung. Optisch ist das Spiel abwechslungsarm. Die meiste Zeit verbringt man „Online“, also in statischen Menüs.

Fazit

Redshirt strotzt vor tollen Ideen und funktioniert gut als Karikatur von Sci Fi Klassikern als auch der absurden Logik der modernen Kommunikations- und Arbeitswelt. Gerade das amüsante Spacebook wird dem Spiel jedoch zum Verhängnis, da es ein unverhältnismäßig wichtiges Spielelement ist, dessen Gameplay kaum zu motiveren weiß. Kann das facebook -artige texten, liken und adden ein gutes Spielprinzip sein? Leider nein. Die Aussichten von Redshirt, ein Klassiker zu werden, sind so gering wie die der glücklichen Heimkehr eines Star Trek Fähnrichs nach einer Außenmission. Das Spiel bietet aber genug Potential für Nachfolger oder Epigone, die seine interessanten Ansätze auf Hochglanz polieren.

Screenshots: © Redshirt, Positech Games 2013

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