LucasArts – Abschied von einer Legende

LucasArts und das Spielebusiness

LucasArts hatte das Glück Teil des Lucas Imperiums zu sein um sich unter der schützenden Hand des Oligarchen, als kleiner Teil seines Medienimperiums entwickeln zu können. Durch die fortwährende finanzielle Unabhängigkeit seines Besitzers blieb das Studio geschützt vor der frühen Bereinigungen und Konsolidierungen der Spielelandschaft in den 1990er Jahren. Jedoch musste es seine Existenzberechtigung auch stets unter Beweis stellen. Wie jedes andere Unternehmen stand auch LucasArts stets unter dem Druck der Profitabilität. Individuelle und innovative Produkte, wie sie die Anfangsjahre des Unternehmens prägten, wurden dabei immer häufiger durch sichere Cash Cows, wie dem The Force Unleashed Franchise, ersetzt. Eine Rückbesinnung zu den Wurzeln des Unternehmens war nicht möglich. LucasArts versuchte mit seinen Produkten in der Liga der Global Player des Spielebusiness, wie EA oder Activision-Blizzard mitzuspielen. Diese Unternehmensorientierung bot keinen Platz für Spielkonzepte die nur noch einen kleinen Teil des potentiellen Marktes adressieren. Für derartige Spiele eignen sich inzwischen eher mit kleinen Budgets agierende Indie-Studios wie Tim Schaffers Double Fine, das auch mit durchschnittlichen Verkaufszahlen profitabel wirtschaften kann. Ein Studio der Größenordnung von LucasArts musste seine riesigen Teams stets mit Großprojekten versorgen um profitabel zu bleiben.

Die explodierenden Produktionsbudgets für Spiele der aktuellen Konsolengeneration (X-Box 360, Playstation 3) brachen schon einigen großen Publishern wie Midway, Acclaim und zuletzt THQ, das Genick. Die gegenwärtige Situation der großen Publisher ähnelt einem Stuhltanz, bei dem einige der Mitspieler ausscheiden werden. Der kommende Generationswechsel der Konsolen verlangt durch den höheren Detailgrad nach noch größeren Budgets, so das der Wechsel erneut das Aus für mittelgroße Publisher wie Square Enix bedeuten könnte.

Das LucasArts Logo aus The Secret of Monkey Island: Special Edition (2009)LucasArts versuchte sich zwar innerhalb dieses Marktes zu positionieren, stand jedoch nie in Konkurrenz zu den beteiligten Parteien. Ein Verkauf schien ausgeschlossen, ebenso wie der Konkurs. Der völlig unerwartete Deal von George Lucas mit Disney veränderte diese Situation jedoch schlagartig. Das Großprojekt Star Wars 1313 wurde auf Eis gelegt und die Zukunft von LucasArts schien besiegelt zu sein: als Entwickler von Social Games. Dann erfolgte die Ankündigung der Studioschließung. Disney schien keine Verwendung für ein Studio dieser Größenordnung gehabt zu haben, auch nicht als Entwickler von hochglanzpolierten Star Wars Spielen der nächsten Generation. Der rigide Umgang mit Studios die nicht die kommerziellen Erwartungen Disneys erfüllen ist bekannt. 2011 schloss der britische Entwickler Black Rock seine Pforten, ebenso wie die kanadischen Propaganda Games Studios nach der Veröffentlichung von Tron: Evolution. 2013 folgten die Junction Point Studios in Texas, in denen Warren Spector Epic Mickey und dessen Nachfolger entwickelte. Die Spieleentwicklung scheint für den Multimilliarden schweren Entertainmentkonzern ein zu riskantes Geschäftsfeld zu sein: Die neue Geschäftstaktik des Unternehmens sieht anscheinend vor, sich nur noch in Großprojekte zu involvieren die endlose Einnahmen garantieren, wie der Skylanders Clone Disney Infinity.

ILM

Eine Frage bleibt: Was geschieht nun mit ILM? Das weltberühmte und traditionsreiche Special Effect Studio teilte sich denselben Gebäudekomplex mit LucasArts. In der momentanen Krise der großen etablierten Special Effect Häuser ist das Studio durchaus von der Schließung bedroht, trotz seiner gewaltigen Reputation. Digital Domain, gegründet von James Cameron und Stan Winston, lieferte die Spezialeffekte für Titanic, Transformers oder auch Fluch der Karibik. Rythm & Hues spezialisierte sich auf virtuelle Lebewesen und erhielt 2013 den Visual Effects Oscar für Life of Pi. Beide mussten binnen kurzer Zeit Aufgrund von Bieterkriegen um Aufträge Konkurs anmelden. Es ist fraglich ob Disney genug Nutzen aus dem Spezialeffektstudio ILM ziehen kann um sich langfristig für dessen Erhalt einzusetzen. Lucasfilm war zusammen mit seinen verschiedenen Divisionen, ob man es glaubt oder nicht, einer der wenigen verbleibenden großen Independent Studios die nicht zu den dominierenden Medienkonzernen gehörten. Das Ende des Unternehmens treibt damit die Konsolidierung im Film- und Spielebusiness weiter voran.

Abschied von LucasArts

LucasArts ist Geschichte. Diese Tatsache ist unumstößlich. So seltsam das plötzliche Ende des Traditionshauses anmutet, so bleibt doch etwas zurück das über den Verlust hinweg tröstet: Die Spiele. Es ist unglaublich, heutzutage noch 20 Jahre alte LucasArts Adventures auf Plattformen wie Steam wiederzufinden. Die Spiele erfreuen sich bester Gesundheit und werden durch immer neue Spielergenerationen erfahren. Eines Tages werden sie ein ikonischer Teil der Spielegeschichte sein und in ihrer Rezeption einen Stellenwert einnehmen wie ihn Metropolis heute für den Stummfilm besitzt. Denn trotz ihres ergrauten Äußeren sind sie immer noch spielbare und höchst unterhaltsame Symbole perfektionierten Gameplays und ausgereiften Storytellings.

Zum anderen inspirieren LucasArts Spiele heute Entwickler in aller Welt. Neue Spiele, vor allem im Indy Bereich, zeugen durch Ästhetik und Gameplay von ihren Inspirationsquellen. Hier ist neben Telltale Games insbesondere Tim Schaffers Double Fine zu erwähnen, das schon längere Zeit ein LucasArts im Geiste darstellt und die Spiele produziert, die wohl das LucasArts Team der 1990er Jahre in der heutigen Zeit entwickeln würde. Bahnbrechender Einfallsreichtum, Witz und philosophischer Ernst vermengen sich untrennbar in ihren Produkten, die mit überschaubaren Budgets und kleinen Teams entstehen. LucasArts ist somit nicht endgültig von uns gegangen sondern lebt auf vielerlei Arten weiter.

Dieser Beitrag wurde unter Games, Media veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen